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Musikinstrumentenbau in Mittenwald

Der Musikinstrumentenbau in Mittenwald begann mit dem Bürgerssohn Matthias Klotz (1653-1743). Er erlernte in Italien das Geigenbauer-Handwerk und arbeitete dort mehrere Jahre. Nach der Rückkehr ließ er sich 1683 in seinem Heimatort nieder. In seiner Tradition arbeiteten alle nachfolgenden bedeutenden Geigenbauer-Familien Mittenwalds. Mit ihnen wurden die Mittenwalder Instrumente weit über die bayerischen Grenzen hinaus bekannt.

Werdegang der Geigenbauschule

Um den Qualitätsstandard der Mittenwalder Instrumente dauerhaft zu sichern, wurde 1858 durch die Regierung von Bayern unter König Maximilian II. die Geigenbauschule Mittenwald als „Unterrichts- und Musterwerkstatt“ am Obermarkt (heute Nr. 6) gegründet. Aus Platzmangel und Gründen der Reorganisation zog die Schule 1893 in ein neu errichtetes Gebäude an der Partenkirchner Straße 24. Im Jahr 1903 wurde das Holzlagerhaus gebaut, das noch heute unverändert existiert und genutzt wird. 1913 erfolgte die Verstaatlichung der Schule. Im Jahr 1923 erweiterte man das Schulgebäude nach Osten hin und fügte 1958 noch einen Ostflügel hinzu. 1983 enstand der südliche Gebäudeanbau. Im Jahr 1984 ging die Schule an den Landkreis über, der bis heute als Sachaufwandsträger für die Schule verantwortlich ist.

Heute sind im Gebäude der Geigenbauschule Mittenwald zwei Schularten integriert: Die Staatliche Berufsschule für Schüler, die ihre Berufsausbildung im Geigen-, Bogen-, Zupf-, Holz- und Metallblasinstrumentenbau im Betrieb erhalten und zum Blockunterricht nach Mittenwald kommen, und die Staatliche Berufsfachschule für Geigenbau, Zupfinstrumentenmacher und Metallblasinstrumentenmacher, die Berufsausbildung in Vollzeit anbietet.

Bildungseinrichtung mit Weltruf

Heute kann man auf über 150 Jahre Schulgeschichte zurückblicken. Die Geigenbauschule hat sich im Laufe der vielen Jahrzehnte zu einer weltweit bedeutenden Bildungseinrichtung entwickelt. Interessenten kommen aus der ganzen Welt, um hier die Kunst des Musikinstrumentenbau-Handwerks zu erlernen. Viele bedeutende Meister haben hier ihre Fachausbildung erhalten. Sogar die Gründung weiterer Geigenbauschulen gehen auf ehemalige Schüler der Mittenwalder Schule zurück, die diese zum Vorbild genommen haben.

Die Mittenwalder Geigenbauschule hat sich seit ihrer Gründung nach und nach zu einem internationalen Kompetenzzentrum des Musikinstrumentenbaus entwickelt. So wurde sie im Laufe der Zeit zu einem begehrten Ort für Tagungen, Teffpunkt für Fachausschüsse wie auch Veranstaltungsort für internationale Seminare mit namhaften Referenten des Musikinstrumentenbaus, die in Wochenkursen während der Schulferienzeit in Mittenwald Ihr wertvolles Wissen weitergeben.

Member of Excellence

Logo Member of Excellence

Die Staatliche Berufs- und Berufsfachschule für Musikinstrumentenbau Mittenwald ist Mitglied im Verband German Musicinstruments Certification e.V. Sie trägt das Gütesiegel „Member of Excellence", das der Verband an ausgewählte Musikinstrumentenhersteller verleiht.

Im Verband German Musicinstruments Certification e.V. sind Musikinstrumentenbauer organisiert, die im Hinblick auf Herstellung und Pflege einen Qualitätsanspruch dokumentieren und hohe Qualität und Professionalität garantieren. Um das Qualifikationszertifikat dauerhaft führen zu dürfen, muss der Qualitätsnachweis vom Träger des Siegels regelmäßig neu erbracht werden.

 

Weitere Informationen zum Gütesiegel „Member of Excellence" finden Sie auf der Internetseite des Verbandes German Musicinstruments Certification e.V.

Ausbildungsangebot

Die Geigenbauschule bietet heute mit einem umfangreichen Fächerkanon die Ausbildung in fünf Fachbereichen des Musikinstrumentenbaus an. Sie wurde 1858 als „Unterrichts- und Musterwerkstatt“ ausschließlich für den Fachbereich Geigenbau gegründet, aus der 1893 die Fachschule für Geigenbau entstand. 1913 erfolgte die Verstaatlichung. Ab 1923 wurde die Bildungseinrichtung als Berufsfach- und Fachschule für Geigenbau weitergeführt. Ab dem Schuljahr 1973/1974 erteilte die Schule im Rahmen berufsschulersetzender Kurse Blockunterricht für Auszubildende im Geigen-, Zupfinstrumenten- und Bogenbau, einige Jahre später auch für die Holz- und Metallblasinstrumentenmacher. 1982 wurde der Ausbildungsbereich der Berufsfachschule durch die Angliederung des Fachbereichs Zupfinstrumentenbau erweitert. 1986 wurden die berufsschulersetzenden Kurse in eine Staatliche Berufsschule umgewandelt. Heute werden an der Mittenwalder Geigenbauschule in Zusammenarbeit mit der Landesinnung Süd des Bayerischen Musikinstrumentenhandwerks die Gesellen-, Meister- und Sachverständigenprüfungen – auch für Klavier- und Cembalobau – regelmäßig abgehalten.

Da die Schule 1858 auf dem Gebiet des Geigenbaus begann, prägte sich der Begriff „Die Geigenbauschule“ aus. Obwohl in der Zwischenzeit alle vorhandenen Fachbereiche gleichberechtigt angesiedelt sind, spricht man heute dennoch weiterhin Gewerke übergreifend nach wie vor liebevoll von der „Mittenwalder Geigenbauschule“.

Schüler- und Lehrerschaft

Zurzeit befinden sich insgesamt 115 Schülerinnen und Schüler in der Mittenwalder Musikinstrumentenbauschule in Ausbildung. Weit mehr als 2.000 Auszubildende haben hier ihren Beruf erlernt. Das Lehrerkollegium besteht derzeit aus insgesamt 14 Lehrkräften.